Die Ferien des Monsieur Hulot von Jacques Tati

Mitte des 19. Jahrhunderts war Saint-Nazaire eines der beliebtesten Ziele für Badefe-rien, da die Stadt 1867 einen Bahnanschluß erhielt. Nach und nach verlor sie jedoch ihren Erholungscharakter, und zur Sommerfrische fuhr man nur noch nach Saint-Marc und an die Landzunge. Diese Orte wurden durch den Film Die Ferien des Monsieur Hulot von Jacques Tati unsterblich.

Nachdem Tatis Schützenfest beim französischen Kinofestival 1949 als bester Film ausge-zeichnet wird und der Regisseur Triumphe feiert, nimmt er sich vor, "das einfache Leben, die Ferienatmosphäre" in Saint-Marc und Saint-Nazaire einzufangen. Als er Ende Juni 1951 mit seinem Team anreist, wissen die Einwohner noch nicht, daß sie in einem Werk zu sehen sein werden, das in allen Kinosälen der Welt gezeigt werden sollte.
Es war eine Postkarte, die Tati auf die Idee brachte, in Saint-Marc zu drehen, wo der Regis-seur fast alles vorfindet, was er für seinen Film braucht: das Meer, die Landzunge, Felsen, den Strand, das Hotel, die Ferienkolonien. Was fehlt, zaubert der Dekorateur herbei. Als ihn die örtliche Presse fragt, von was sein Film handelt, antwortet Tati: "Ich behandle ein ganz allgemeines Thema. Ich will, daß der Städter für die 150 Francs, die ihn die Eintrittskarte für meinen Film kostet, eine Stunde Ferien genießen kann."

In meinem Film gibt es keinen Star

Die professionellen Schauspieler kann man an einer Hand abzählen. Die anderen rekrutiert Tati unter der örtlichen Bevölkerung. "Meine Mitarbeiter sind Unbekannte, junge Leute, die ihren Beruf lieben, und ich bin sicher, daß wir gute Arbeit machen," sagte er, als er sein Team vorstellte. So sieht man einen Angler Schaumzuckermasse für Bonbons durchrühren, einen echten Sommerfrischler den Horizont mit dem Fernglas absuchen oder eine junge Frau aus Saint-Marc als Frau eines Geschäftsmannes agieren, der ständig am Telefon ver-langt wird.